Arten von Lautbildschriften
Inhalt: Drei Haupttypen: Silben-Lautbildschrift Buchstaben-Lautbildschrift Positions-Lautbildschrift Gemischte Schrift Vergleichende Bewertung Andere Einteilung: nach Schriftelementen
Man kann Schriften - also auch Lautbildschriften - nach dem Zahlenverhältnis
"Anzahl Schriftzeichen : Anzahl Laute" in 3 große Gruppen einteilen:
| 1) Es gibt viel mehr Zeichen als Laute: | Silbenschrift | (Verhältnis n:1) | |
| 2) Es gibt soviele Zeichen wie Laute: | Buchstabenschrift | (Verhältnis 1:1) | |
| 3) Es gibt viel weniger Zeichen als Laute: | Positionsschrift | (Verhältnis 1:n) |
Ein Beispiel: Wir legen folgendes phonetische System zugrunde:
4 Vokale: i e a o
4 summende Konsonanten: n m l v
4 nicht summende Kons.: s f t p
Alle Silben haben die Form "Konsonant + Vokal", z.B. "si", "ti", "ta".
Es gibt also nur 8*4 = 32 Silben. Wortbeispiele: ti, sino, pivili, sifetapo.
Alle Silben sind - in beliebiger Kombination - leicht nacheinander sprechbar.
Jeder Silbe wird nun ein Zeichen zugewiesen, aus denen Bildworte zusammengesetzt
werden, mit Schreibrichtung von unten nach oben. Beispiel:
| soposa "Gesicht"; zerlegt: |
Beispiel: die im Hauptartikel
gezeigte Einfach-Lautbildschrift mit nur 12 Buchstaben:

Wortbeispiel:
| ela "Gesicht"; zerlegt: |
Eine Positionsschrift hat viel weniger Zeichen als Laute. Ist mit so wenigen
Zeichen noch eine Lautbildschrift machbar ? Ja, auf 2 Arten:
1) Bei der Punkteschrift mit 7 Zeichen
wird ein Zeichen je nach Position als Konsonant oder Vokal gelesen
2) Das gilt auch für die Stabschrift mit nur 4 Zeichen (Stäbchen).
Bei ihr werden Bildworte aber nicht linear, sondern 2-dimensional aus Zeichen zusammengesetzt.
Beispiel: Dieses Bildwort ist matrixförmig aus 2 * 4 , also 8 Zeichen
zusammengesetzt (in einem unsichtbaren quadratischen Raster):
|
7 8
5 6
3 4
1 2
|
Z e i c h e n L a u t w e r t
Konsonant Vokal
\ p u
/ t o
| l e
- m a
Lautauswahl und Lautzuordnung dieser Tabelle sind nicht optimal, sondern auf Erweiterbarkeit ausgelegt (siehe die erweiterten Versionen im Artikel Einige Stabschriften). Diese Einfachst-Stabschrift nutzt - mit nur 8 Lauten - das menschliche Sprechpotential nicht aus, und sie liefert keine guten Bilder. Enorme Leistungssteigerung ist möglich durch:
- Erweiterung des Zeichensatzes um . [Punkt] oder o [Kringel]
- Lücken (Leerzeichen) in einer Zeile möglich (wichtig !)
- Mehr als 2 Zeichen in einer Zeile möglich (wichtig !)
Welch schöne Ideogramme man mit nur 4 Zeichen bilden kann, wenn mehr
als 2 Zeichen pro Zeile und Lücken möglich sind, zeigen folgende Beispiele
(zum besseren Verständnis ist auch das Grundraster dargestellt):

Generell ist aber eine Stabschrift viel unpraktikabler als eine Buchstaben-
oder Silbenschrift, wegen der durchschnittlich größeren Wortlänge und dem
komplizierteren Verfahren. Doch hat sie auch Vorteile, z.B. die unbegrenzte
Ideogrammgröße (Breite und Höhe), falls mehr als 2 Zeichen pro Zeile
erlaubt sind.
Es sind auch Mischformen zwischen den 3 Haupttypen von Lautbildschriften
möglich. Obige Stabschrift z.B. könnte man als eine Art Silbenschrift
auffassen, bei der jedes Silbenzeichen zusammengesetzt ist aus einem
Konsonanten- und einem Vokalzeichen. Erlaubt man jedoch in obiger
Stabschrift beliebige viele Zeichen pro Zeile, erscheint die Interpretation
als Silbenschrift nicht sinnvoll. Einige Mischformen:
Diphtongschrift: Bei der Beispiel-Lautbildschrift mit 12 Zeichen haben
wir nur 3 Vokalzeichen (waagrechte Striche): e, a, o (i ist akustischer Füllvokal)
Aber man kann die Vokal-Zeichenzahl leicht verdoppeln, indem man auch Diphtongen
wie ei, ai, oi, ui, au Zeichen zuweist. Als Füllkonsonant zwischen Vokalen
kann man jetzt nicht mehr j verwenden: denn a-j-a wäre von ai-j-a akustisch
nicht zu unterscheiden. Stattdessen verwendet man h oder ng (wie in 'singen').
Die Vokalzeichenfolge a-a wird also jetzt als aha gesprochen,
aber die Vokalzeichenfolge ai-a als aia: hier braucht man keinen
Füllaut zu sprechen. (Auch zweisilbige Diphtonge / Triphtonge wie
ie, ia, io, iai, ioi, iau etc. könnte man verwenden).
Auch Konsonantenkombinationen wie ts, ks, ps, st, pl, pr, kv kann man
neue Zeichen zuweisen. (Bei nt, nk, mp, lp etc. wird's problematisch,
da diese am Wortanfang nicht sprechbar sind: hier müßte man den Füllvokal
i vorsetzen). Die Zeichenfolge ts-pr (2 Zeichen) lautet nun tsipri,
während die Zeichenfolge t-s-p-r (4 Zeichen) tisipiri lautet.
Bewertung: Mehr Zeichen ermöglichen bessere Ideogramme, schöne Diphtonge
machen die Sprache klangschöner. Aber viele konsonantische
Diphtonge machen Wörter schwerfälliger und weniger musikalisch.
Die Verwendung von ei, ai, oi, ui ist besser als die Verwendung
von international unüblichen Vokalen wie ü, ö oder dem dumpfen u.
(Das ü könnte man wegen der Klangschönheit verwenden).
Eine Diphtongschrift ist empfehlenswert, wenn eine Buchstabenschrift
zu wenige Zeichen hätte, eine Silbenschrift zu viele.
Paar-Silbenschrift: Ein Beispiel mit folgender phonetischer Basis:
9 Konsonanten: t,k,p, l,n,m, s,∫,f 5 Vokale: i,u , e,a,o
Man bildet nun mit den 9 Konsonanten und 2 Vokalen i,u 18 Silben:
ti,ki,pi .... tu,ku,pu ... Diese 18 Silben werden mit 18 eigenen Zeichen
geschrieben. Außerdem gibt es 3 Zeichen für e,a,o. Ein Wort, bestehend
aus den Silbenzeichen si-pi-tu, wird als sipitu gesprochen, ein Wort,
bestehend aus den Zeichen ti-a-ti als tiati. Aber die Zeichenfolge tu-a wird
als ta gesprochen, d.h. ein u vor Vokalzeichen fällt aus. Man verkürzt
so das Wort akustisch und vermeidet die unschönen Diphtonge ue, ua, uo.
Weitere Beispiele: Die Zeichenfolge tu-a-tu lautet tatu,
ti-a-tu lautet tiatu, tu-a-pu-a lautet tapa, su-o-pi lautet sopi,
su-e-fi lautet sefi
Auf den Füll-Konsonanten j zwischen 2 geschriebenen Vokalzeichen kann
man nicht verzichten: Das Wort a-a lautet aja, ti-ti-a-a lautet titiaja,
tu-a-a lautet taja.
Wir nennen dieses System Paar-Silbenschrift, weil es zu jedem Konsonanten
2 Silbenzeichen gibt, die mit dem Konsonanten beginnen. Diese Eigenschaft
nutzt man für eine leicht merkbare Zuordnung Laute-Zeichen:
Sich nach oben verengenden Zeichen werden die Silben ti,ki,pi zugewiesen,
den nach unten umgeklappten Zeichen die Silben tu,ku,pu.
Auch werden senkrechten, mittelsymmetrischen Strichen oder Strichkombinationen
die Silben lu,nu,mu zugewiesen, den entsprechenden linksbündig sitzenden Zeichen
die Silben li,ni,mi. Ein Silbenzeichen auf -u ist also immer aus einem Silbenzeichen
auf -i durch Verdrehen oder Verschieben hervorgegangen. (Ausnahme: Zeichen mu/mi).
Mit si,i,fi, su,u,fu kann man 6 weitere Zeichen benennen.
Eine andere gute Möglichkeit: Die 9 Konsonantenzeichen der Einfachst-Silbenschrift,
die bisher s,f... hießen, heißen jetzt si,fi,.. Folgt auf sie ein Vokalzeichen,
wird das i nicht gesprochen (wie bei der Buchstabenschrift). Deshalb ist
kein Wort länger als bei reiner Buchstabenschrift. sy,fy... wären dann
die Zeichen si,fi... entweder verdoppelt oder mit senkrechtem Strich
links und rechts oder mit senkrechtem Mittelstrich (breite Zeichen).
sy,fy... gefolgt von Voaklzeichen, z.B. a, werden als sya,tya... gesprochen,
was sehr musikalisch klingt. Mit diesem System kann man die
reine Buchstabenschrift erweitern ohne sie zu ändern
(wenn sie kein Zeichen für den Vokal y hat).
Bewertung: Für Lautbildschriften, die knapp doppelt so viele Zeichen wie Laute
haben sollen, und keine Konsonantenkombinationen, bietet sich obiges System an.
Gemischte Buchstaben-Silbenschrift: Man benennt häufig benutzte Zeichen
mit einzelnen Lauten, selten benutzte Zeichen mit Silben. Und zwar solchen Silben,
bei denen entweder dem Konsonant oder dem Vokal / Diphtong kein Zeichen zugeordnet wurde.
Beispiel: Man verwendet für seltene Zeichen die gesprochenen Silben ri, re, ra, ro,
das r hat kein Buchstabenzeichen (sonst könnte man z.B. die Silbe ro auch mit den
Buchstaben r-o schreiben, d.h. die Schreibung wäre nicht eindeutig).
Oder man verwendet die Silben sü, fü, tü, kü ... , das ü hat
kein Buchstabenzeichen. Ein Leerkonsonant (j) und ein Leervokal (i)
sind wie bei einer Buchstaben-Lautbildschrift nötig, um Vokal- und
Konsonantenhäufungen sprechbar zu machen.
Lernaufwand
- Eine hohe Zeichenzahl wie bei einer Silbenschrift erhöht den Lernaufwand
- Bei der Buchstabenschrift ist dieser Lernaufwand geringer - aber dafür
muß die Regel erlernt werden, wie man beim Lesen ggf. die Füll-Laute i/j
einfügt, damit manche Buchstabenfolgen besser sprechbar sind
- Bei Positionsschriften setzt sich dieser Trend fort: der Lernaufwand
für Zeichen ist noch geringer, für Regeln noch höher
Betrachtet man die Zeichen als die Hardware einer Schrift, die Regeln als
Software, so gilt: Je mehr Aufwand man beim einen treibt, desto weniger ist
beim anderen nötig, und umgekehrt.
Einstiegsschwelle
Nur bei einer Silbenschrift ist die Einstiegsschwelle beliebig niedrig:
Man kann einem Schüler 2 oder 3 Plättchen mit Silbenzeichen geben und ihn
die Aussprache lehren. Dann kann er diese Plättchen beliebig kombinieren
und versuchen Bildwörter zu erfinden oder nachzulegen. Dabei kann er ein
gelegtes Bildwort immer richtig ausprechen als Folge der Einzelsilben.
Bei anderen Lautbildschrift-Arten wird ein Bildwort nicht immer exakt als
Folge der Zeichen gesprochen, wegen den Füll-Lauten bei Buchstabenschrift
und dem Lautwechsel von Zeichen bei Positionsschrift.
Eine geringe Einstiegsschwelle und ein geringer Lernaufwand sind von
großer sozialer Bedeutung, da möglichst alle Bevölkerungsgruppen die
Schrift beherrschen sollten - auch in Entwicklungsländern und in Notzeiten,
wenn Bildung verkümmert. Auch aus diesem Grunde sollte eine Schrift
möglichst interessant und unterhaltsam sein - eine Lautbildschrift ist
hier konkurrenzlos.
Gleichtakt Sprache-Schrift
Wenn man eine Buchstabenschrift verwendet, kann man jeden Laut eines
Diktats sofort nach dem Hören niederschreiben. (Bei einer Silbenschrift
müssen Mensch oder Maschine warten, bis die Silbe komplett ist).
Bei einer Buchstabenschrift sind also Sprache und Schrift in kleineren
Schritten synchronisiert als bei einer Silbenschrift.
Ein anderer Gesichtspunkt könnte aber wichtiger sein:
Nur bei einer Silbenschrift sind Sprache und Schrift gleichmäßig synchron:
So wie man Zeichen problemlos aneinanderfügen kann, kann man Silben
problemlos nacheinander sprechen ( bei geeigneter Silbenstruktur, z.B.
"Konsonant + Vokal" ): Die Silbenzeichen "ti", "ta", "ti" ergeben
problemlos das Wort "titati".
Bei einer Buchstaben-Lautbildschrift (mit i als Füll-Laut) dagegen würde
die Zeichenfolge "ttat" auch als "titati" gesprochen werden. Man erkennt
die Diskrepanz zwischen Schrift und Sprache. Auch die einzelne Silbe
"ta" z.B. setzt sich nicht nahtlos aus den Lauten t und a zusammen:
spräche man die unverschliffen, käme nur ein abgehacktes "t-a" heraus.
Visualisierung und Geschwindigkeit
Hört man einen langsam gesprochenen Text einer Lautbildschrift, so kann
man ihn mit etwas Übung visualisieren (sich geschrieben vorstellen).
Das ist am leichtesten bei einer Silbenschrift möglich.
Der Gleichtakt von Sprache und Schrift und die Darstellung mehrerer Laute
durch ein Zeichen erleichtern das.
Bei den anderen Lautbildschrift-Arten ist eine Visualisierung natürlich
auch möglich, aber das erzielbare Tempo geringer. Das weiß ich aus
Erfahrung, es läßt sich aber auch durch ein Gesetz der experimentellen
Psychologie plausibel machen. Das Gesetz von Merkel (1885) besagt:
Die Reaktionszeit T einer Versuchsperson bei der Aufgabe, aus n Gegenständen einen bestimmten auszuwählen, wächst logarithmisch mit n. Messungen ergeben in etwa T = 200 + 180 * log n [msec]
Beispiel: Bei einer Silbenschrift mit 8 Konsonanten und 4 Vokalen, was
32 Silben der Struktur "Konsonant + Vokal" ergibt, wäre die Reaktionszeit
pro Silbe = 200 + 180 * 5 = 1100 msec
(weil Logarithmus dualis von 32 = 5 bzw. umgekehrt 2 5 = 32 )
Bei einer Buchstabenschrift ( 12 Buchstaben ) ist die entsprechende
Reaktionszeit für 2 Buchstaben = 2 * (200 + 180 * 3,6) = 1698 msec,
also gut 50 % höher.
Man könnte sagen, das Lesen einer Silbenschrift ist deshalb schneller,
weil dabei eine Art Parallelverarbeitung stattfindet (mindestens 2 Laute
werden gleichzeitig gelesen). Das Lesen einer Buchstabenschrift erfolgt
dagegen rein seriell.
(Beim Lesen von Wörtern oder ganzen Texten ist die Reaktionszeit pro
Zeichen geringer, weil Wörter auch an ihrer Gesamt-Silhouette erkannt
werden. Außerdem entfällt natürlich beim Lesen die Zeit für die
mechanische Reaktion auf ein Zeichen - Drücken eines Knopfes o.Ä.)
Silbenzeichen als Wörter
Bei einer Silbenschrift können einige oder alle Silbenzeichen Wörter sein.
Beispiel:

Dieses Ideogramm bedeutet "eilender Mensch". Es setzt sich aus 3
Silbenzeichen zusammen, die als einzelne Wörter "Winkel", "Welle" und
"Punkt" bedeuten.
Diese Tatsache, daß einzelne Silbenzeichen bereits Wörter sind, hat viele
Vorteile: Es erleichtert das Lernen der Zeichen (besonders wenn jemand
diese künstliche Sprache als Muttersprache hätte), das Lesen und besonders
das Visualisieren: Obiges Ideogramm ist tatsächlich eine Folge der Formen
"Winkel", "Welle", "Punkt"
Optische Qualität und Wortlänge
Silbenschriften haben sogar bei einem extrem einfachen Lautsystem mehr
Zeichen als die anderen Schriftarten. Prinzipiell ermöglichen sie damit
ausdrucksstärkere, elegantere, kompaktere, schneller schreibbare Bildsymbole.
Aber ein Bildwort darf akustisch nicht zu lang werden und darum nur aus
weniger (z.B. halb so vielen) Zeichen bestehen als bei einer Buchstabenschrift.
Aber viele Begriffe scheinen sich mit einem einfachem Zeichensatz, aber mehr
Zeichen pro Ideogramm besser darstellen zu lassen - dann wäre eine
Buchstabenschrift zweckmäßiger.
Am flexibelsten ist die Darstellung durch eine Stabschrift, wegen der
(außer in der Einfachversion) unbegrenzten Ideogrammgröße und der
Bildzusammensetzung aus kleinen Teilen (was den Ideogrammen eine eigene
Schönheit verleiht).
Das Ganze hängt auch vom Wortschatz ab (für Pflanzen ist eine vermutlich
eine andere Lautbildschrift optimal als für Physik) und der speziellen Schrift.
Die optische Leistungsfähigkeit einer Lautbildschrift kann man nur bewerten,
wenn man eine Anzahl Wörter und Sätze kennt. Nicht solche, die speziell
für diese Schrift ausgesucht wurden, sondern einen Grundwortschatz von
z.B. 350 Wörtern, der gleichmäßig alle Themenbereiche streift.
Die durchschnittliche akustische Wortlänge ist bei Stabschrift deutlich
länger als bei den anderen Schriftarten.
Phonetik
Bei allen Arten von (gut entworfenen) Lautbildsprachen ergeben sich
wohlklingende, phonetisch klare Wörter. Bei Silbenschriften läßt sich der
Silbenaufbau exakt steuern: z.B. nur Silben der Struktur "Konsonant
+ Vokal" ( phonetisch sehr klar, aber vielleicht zu eintönig), oder auch
Silben der Struktur "Konsonant + Diphtong" (z.B. mei, mai, moi).
Wichtig ist auch eine klare akustische Trennung der Wörter im Satz. Die
übliche Wortpause (Absatz zwischen zwei Wörtern) und der Akzent immer
am Wortanfang (oder immer am Wortende) reichen bei flüssigem Sprechen
vielleicht nicht aus, zu entscheiden, ob z.B. "ti ta ki" oder "ti taki"
oder "tita ki" oder "titaki" gesprochen wurde.
Man kann (nicht geschriebene) Partikel (Grammatikwörter) verwenden,
die Wort-, Spalten- und Satzgrenzen anzeigen. Hier ist eine Silbenschrift,
bei der jede Silbe und damit jedes Wort mit Konsonant beginnt und mit
Vokal endet, phonetisch besonders günstig: Man kann als Partikel vor
Wörtern einzelne Vokale, z.B. o, a, e verwenden, nach denen ein mit
Konsonant beginnendes Wort gut sprechbar ist. Der Satz "o tita a ki" z.B.
ist gut sprechbar und vom kundigen Hörer leicht und eindeutig in Wörter
zerlegbar.
Und auch vom Computer: Denn die Zerlegung eines solchen Satzes in Wörter
ist rein formal und systematisch durchführbar - wegen der klaren Phonetik.
In den meisten 'natürlichen' Sprachen dagegen sind Wortgrenzen im Satz nicht
rein akustisch erkennbar - der Hörer versucht unbewußt auch, den Satz nach
dem erfaßten Sinn zu rekonstruieren. Deshalb ist bei einer schlechten
Telefonleitung mit einer Silbenverständlichkeit von nur 10 % noch eine
Satzverständlichkeit von 42 % möglich - nur für Menschen, nicht für Computer.
Details zu diesen Fragen im Artikel über Lautsysteme für künstliche Sprachen
und den Entwürfen der einzelnen Silben-, Buchstaben- und Positionsschriften.
Schönheit, Psyche
Optische und akustische Schönheit einer Lautbildschrift / Sprache sind
ein wichtiger Gesichtspunkt, aber auch geschmacksabhängig: Sind sehr
einfache, klare Bildworte, wie sie eine Silbenschrift ermöglicht, schöner
als die meist etwas aufwendigeren Worte einer Buchstabenschrift? Praktischer
sind kurze prägnante Bildworte auf jeden Fall.
Man muß auf jeden Fall die geistig-seelische Bedeutung von Sprachlauten,
Schriften und Schreibverfahren in Betracht ziehen - es gibt genausowenig
eine wertneutrale Sprache oder Schrift, wie es keine wertneutrale Musik
oder Bilder gibt.
Technischer Aufwand
Eine Silbenschrift ermöglicht kompaktere Bildworte. Sie ist deshalb
schneller zu lesen und zu schreiben (wichtig bei Mitschriften) und
erfordert etwas weniger Platz bzw. Schreibmaterial ( Mittelalter: teures
Papier gespart; Computerzeitalter: mehr Text auf Bildschirm ).
Beim Druck mit Lettern benötigt man bei einer Silbenschrift viele
Arten von Lettern. (Die meisten Silbenzeichen ergeben aber umgedreht
ein anderes Silbenzeichen, genauso die meisten Buchstaben: die Zahl
verschiedener Lettern verringert sich also). Die Anzahl der insgesamt
benötigten Lettern ist aber bei einem Text in Silbenschrift weitaus am
geringsten (weil er aus weniger Zeichen zusammengesetzt ist).
Eine Silben-Tastatur verdoppelt etwa die Tippgeschwindigkeit, erscheint
aber nur bei geringer Silbenzahl sinnvoll. Doch auch Silben lassen sich als
Einzellaute eintippen - dann ist die Tastatur minimal, aber dann erscheint
leider nicht jedes Zeichen auf einer Taste.
Computer-Eignung
Alle Arten von Lautbildschriften lassen sich problemlos auf einem
Computer-Bildschirm darstellen. Sind die Zeichen einmal in einem Computer-
Zeichensatz enthalten, so können Lautbild-Ideogramme auch in anderssprachigen
Texten zur Illustration verwendet werden. Sie sind leichter zu erstellen
(einfach eintippen) und benötigen weit weniger Speicherplatz als
normale Grafiken.
Der Speicherungsaufwand in Bit ist bei silbenweiser Speicherung am geringsten.
Diese Art der Speicherung ist bei allen Typen von Lautbildschriften machbar,
aber nur bei einer Silbenschrift ist sie völlig im Gleichtakt mit der Schrift
(1 gesprochen Silbe = 1 Silbenzeichen = 1 Zeichen im Speicher).
Für automatische Spracherkennung, die immer wichtiger wird, ist die phonetische
Klarheit entscheidend. Alle Arten von Lautbildschriften können auf einem
sehr klaren phonetischen System aufgebaut werden, mit einer begrenzten Zahl
klarer Silben, und phonetisch klaren Worten. Dann kann bei allen Schriftarten
die meiner Ansicht nach einfachere, zuverlässigere silbenweise Spracherkennung
durchgeführt werden. (Bei den meisten natürlichen Sprachen, außer z.B. Japanisch,
ist das wegen der großen Silbenzahl und Silbenverschleifung wie in "kann-nicht"
nicht möglich)
Auch für die logische Textverarbeitung per EDV sind allgemein künstliche
Sprachen ohne Wortveränderung vorteilhaft, weil dann bei der Suche nach
einem Begriff, z.B. "Haus", nicht auch nach den anderen Wortformen, z.B.
"Häuser" gesucht werden muß.
Andere Einteilung: nach Schriftelementen
Wir haben Lautbildschriften bisher nach dem Zahlenverhältnis Zeichen : Laute klassifiziert.
Stattdessen kann man sie auch nach den optischen Elementen der Schrift klassifizieren:
- Schrift scheinbar nur aus 1 Element bestehend:
- Schrift nur aus Punkten
- Schrift nur aus gleichgroßen Strichen (ggf. verdreht)
- Schrift aus verschiedenen Elementen bestehend
Es ergeben sich also die 3 Haupttypen Punkteschriften (als Silben-, Buchstaben- oder Positionsschrift realisierbar),
Stabschriften (realisierbar als Positionsschrift oder Silbenschrift,
deren Zeichen aus 1 oder mehreren gleichgroßen Strichen bestehen) und Schriften mit verschiedenen
Elementen (z.B. Punkt, gerade und gebogene Striche), die man noch weiter unterteilen könnte
(mit / ohne Punkt(e), nur gerade Striche und Winkel, nur gebogene Striche)
Letzte Änderung 12.7.2006